Wie man Kindern die Angst nimmt

Angst ist eine wichtige Emotion: Sie bewahrt uns davor, uns in Gefahr zu begeben. Bei Kindern ändert sich die Art ihrer Ängste mit bestimmten Lebensphasen. Der Umgang mit verschiedenen Ängsten und das Überwinden einiger von ihnen lehrt ein verantwortungsvolles Herangehen an unterschiedliche Lebenssituationen. Damit Kinder diesen Umgang mit Angst lernen, ist es wichtig, dass Eltern und andere Bezugspersonen sie in ihrem Lernprozess begleiten und unterstützen.

Angst – ein nützliches Gefühl

Kinder sind ständig damit beschäftigt, die Grenzen ihrer Welt zu erproben und zu erweitern. Angst ist ein wichtiger Faktor dafür, dass sie sich dabei nie ernsthaft in Gefahr bringen. Möchte ein Kind auf ein Klettergerüst klettern, entscheidet die Angst, wie hoch es sich zu klettern traut – das Kind lernt verantwortungsvollen Umgang mit Höhe. Jedoch geht mit der Entwicklung auch eines einher: Je mehr ein Kind versteht und je mehr im Leben von ihm gefordert wird, desto mehr Sorgen kann es sich machen. Je nach Alter und Erlebtem verspüren Kinder unterschiedliche Ängste in unterschiedlichen Situationen.

Kinder sollten im Umgang mit ihrer Angst begleitet werden. Das bedeutet zum einen, dass man den Kindern Halt gibt, aber zum anderen auch, dass man sie ermuntert Angst zu überwinden. Erwachsene legen damit das Maß fest, was das Kind sich trauen sollte. Ihre Erfahrung kann den Kleinen Orientierung bieten: Wann sind sie zu übermütig und müssen gebremst werden, wann sind sie zu ängstlich und brauchen Bestärkung? Gerade letzteres kann übrigens auch für die Erwachsene eine Herausforderung sein, denn sie selbst haben mitunter Ängste um das Wohl des Kindes. Ängste abzulegen und vertretbare Risiken einzugehen gehört aber zum Leben dazu und ist daher wichtig für seine Entwicklung.

Trennungsängste – Wenn Liebe einengt

Zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr verspüren Kinder oft Trennungsängste. Das bewahrt sie davor sich zu weit von den Eltern zu entfernen oder mit Fremden mitzugehen. Schwierig wird die Situation, wenn das Kind nur eine oder sehr wenige Bezugspersonen hat und sehr klammert – dann werden selbst Arzttermin oder Kindergartenbesuch zur Nervenprobe. Als Lösung bietet es sich an, konkrete Situationen zu begleiten: Hat das Kind Angst vor Fremden, so kann man mit gutem Beispiel vorangehen und Abstand halten, aber freundlich mit Fremden sprechen. Sprechen Fremde Kinder freundlich an, kann man als Verstärker fungieren und kommentieren: „Schau mal, das ist aber nett.“ Außerdem kann man das Kind bestärken, indem man gewünschtes Verhalten lobt, z.B. wenn es schön mit Verwandten spielt oder „Hallo“ zum Nachbarn sagt – immer innerhalb der selbst festgelegten Grenzen.

Ängste im Laufe des Heranwachsens

In der Zeit zwischen zwei und vier Jahren befinden sich Kinder in der sogenannten „magischen Phase“. Die Phase ist gekennzeichnet dadurch, dass Kinder Phantasiegestalten sehen und daran glauben zaubern zu können. Oft gehen damit der Glaube an Monster und Angst vor der Dunkelheit einher. Hier bietet es sich an, ihre Bedenken nicht zu ignorieren, sondern aktiv mit der Welt des Kindes zu interagieren. Wenn das Kind sich vor imaginären Monstern fürchtet, hilft vielleicht ein imaginäres „Monsterspray“ – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Angst vor Dunkelheit kann man mit einem Nachtlicht begegnen.

Zwischen fünf und sieben Jahren beginnen Kinder rationaler zu denken und auch sich Sorgen zu machen. Sehen sie beispielsweise Bilder über Krieg oder Katastrophen, entwickeln sie Ängste davor. Die Denkweise ist zwar rational, aber immer noch sehr konkret: Kinder beziehen solche Situationen sehr auf sich selbst, auch wenn sich Unglücksbilder in der Ferne abspielen. In dem Fall sollte mit den Kindern besprochen werden, dass ein Unglück sehr weit weg ist.

Ab dem Alter von acht Jahren können bei Kindern Leistungsängste auftreten, die sich schlimmstenfalls in einer Prüfungsangst manifestieren. Kinder sollten immer bestärkt werden, dass es wichtig ist das Beste zu geben und sie keine Angst haben müssen zu scheitern.

Welche Ängste Kinder auch haben mögen: Es ist immer wichtig sie nicht damit allein zu lassen, positives Verhalten zu loben und dem Kind Mut zu machen, Situationen selbst zu bewältigen. Kinder sind sehr stolz, wenn sie Dinge allein bewältigen können – eine tolle Gelegenheit Selbstständigkeit zu fördern.

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