Tipps zur Sprachentwicklung bei Kindern mit Down-Syndrom

Der Spracherwerb kann für viele Kinder mit Down-Syndrom schwierig sein. Doch es gibt verschiedene Wege und Möglichkeiten, wie er einfacher gemacht wird und die Kommunikation besser funktioniert. Dazu hier einige Tipps.

Die Kommunikationsfreudigkeit von Kindern mit Down-Syndrom

Bei Kindern mit Down-Syndrom ist der Spracherwerb aus mehreren Gründen erschwert. Zum einen sind die Ohrkanäle kürzer und enger, d.h. es kommt sehr oft zu Entzündungen im Kindesalter, wodurch das Hören erschwert wird. Zum anderen ist die Zunge schlaff und wenig beweglich. Des Weiteren kann die Nasenatmung beeinträchtigt sein und Fehlbildungen an Kiefer, Zähnen, Gaumen und Zunge die Sprechmotorik beeinflussen.

Dabei sind Kinder mit Down-Syndrom oft sehr kommunikationsfreudig und lernen bereits sehr früh, dass ihr Schreien, ihre Mimik und Gestik eine Reaktion im Umfeld auslöst. Die meisten verstehen bereits im Alter von zehn bis zwölf Monaten die Beziehung zwischen einem Wort und einer Bedeutung, einem Konzept dahinter. Zu diesem Zeitpunkt sind allerdings die neurologischen und motorischen Fähigkeiten nicht weit genug entwickelt, um zu sprechen, was zu einem späten Beginn des Spracherwerbs führt.

Dies heißt also nicht, dass Kinder mit Down-Syndrom Sprache nicht verstehen. Denn sie verstehen ein relativ umfangreiches Vokabular sogar recht zügig. Nur die eigene Umsetzung, d.h. Verbalisierung, fällt schwer. Kinder mit Down-Syndrom fangen daher ab einem Alter von ca. zwei bis drei Jahren auch an zu sprechen. Bis dahin ist es sinnvoll, ihnen die Kommunikation zu erleichtern. Doch was kann man tun?

Wie Eltern helfen können

Die Eltern sind die Primärbezugspersonen ihrer Kinder und dementsprechend auch diejenigen, von denen Kinder Kommunikation lernen. Gerade im heimischen Umfeld lässt sich daher ganz viel machen, um den Spracherwerb zu fördern.

  • Gebärdensprache

Das Beibringen der Gebärdensprache zusammen mit gesprochener Sprache nennt sich im englischen „Total Communication“ und gilt generell als empfehlenswert beim Spracherwerb von Kindern. Denn allen Kindern fällt es zunächst leichter, sich durch simple Gebärden (z.B. „mehr“, „essen“, „trinken“) mitzuteilen, als durch das Sprechen. D.h. auch für Kinder mit Down-Syndrom wird die Kommunikation durch Gebärden erleichtert und ein paar simple Gebärden sind auch für Erwachsene schnell gelernt, um sie dann bei der Kommunikation mit Kindern anzuwenden.

  • Visuelles Lernen

In den 1980er und 90er Jahren brachten Sprachforscher Kindern mit Down-Syndrom im Alter von zwei bis neun Jahren erfolgreich das Lesen einzelner Wörter bei. Ja, auch den Zweijährigen! Neben dem Lesen sind natürlich auch Bilder von großer Hilfe, im Buchhandel gibt es ganz viel für die Kleinen. Das visuelle Lernen leichter für Kinder mit Down-Syndrom als das akustische Lernen, da sie, wie bereits erwähnt, oft zu Problemen mit den Ohren und dem Hören neigen.

  • Vorlesen

Nicht nur das Lesen selbst, sondern auch das Vorlesen hilft allen Kindern immens beim Spracherwerb. Gewisse sprachliche Gebiete sind schwieriger zu meistern für Kinder mit Down-Syndrom als für Kinder ohne, andere sprachliche Gebiete dafür einfacher. Dies gilt z.B. für Vokabular und Pragmatik, d.h. kontextabhängiger Sprache wie beispielsweise Ironie. Im Gegensatz dazu sind Morphologie und Syntax sehr schwierig, d.h. Grammatik, Verben und Zeitformen, Suffixe und Präfixe – wahrscheinlich da diese Sprachgebiete abstrakt und komplexer sind.

  • Mimik und Gestik

Diese werden auch sehr schnell erlernt. Kinder mit Down-Syndrom sind sehr ausdrucksstark und verstehen die Mimik und Gestik aus ihrer Umgebung recht zügig. Gerade beim Anwenden der bereits genannten Methoden, wie z.B. Gebärden oder Vorlesen, lassen sich Mimik und Gestik besonders gut einsetzen und helfen dem kindlichen Verständnis von Sprache.

  • Wiederholung

Allen Kindern hilft die Wiederholung, aber besonders bei Kindern mit Down-Syndrom ist eine Prise Geduld mehr gefragt. Ganz viel wiederholen hilft, ob es sich nun um die Verbalisierung handelt, das Lesen oder Gebärdensprache.

Im Prinzip gelten für die Sprachentwicklung von Kindern mit Down-Syndrom also die gleichen Regeln, wie bei Kindern ohne Down-Syndrom. Die Herausforderung liegt darin zu verstehen, dass Kinder mit Down-Syndrom anders lernen. Es gilt, hier dem Kind und seiner Lernweise entgegen zu kommen und auch gut zu beobachten, was ihm gut hilft.

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