Herdenimmunität: Warum die Impfung des eigenen Kindes auch andere schützt

Masern, Röteln, Tetanus: Sein Kind impfen zu lassen ist sehr wichtig. Impfen gilt als einer der wichtigsten medizinischen Fortschritte der Menschheitsgeschichte und hat im Laufe der Zeit abertausende Leben, gerade von Kindern, gerettet. Aber nicht nur die Geimpften selbst profitieren davon: Das eigene Kind zu impfen schützt auch ungeimpfte Kinder vor Krankheiten. Das ergibt sich durch die sogenannte Herdenimmunität.

Was ist Herdenimmunität?

Herdenimmunität ist ein Effekt, der sich von selbst einstellt, wenn genug Menschen innerhalb einer Bevölkerung gegen eine bestimmte Krankheit geimpft sind. Durch ihn werden auch Menschen effektiv vor dieser Krankheit geschützt, die nicht durch eine Impfung immun sind. Das ist vor allem für Menschen wichtig, die aus bestimmten Gründen nicht geimpft werden können. Eine Erkrankung des Immunsystems oder Organtransplantationen sind mögliche Gründe dafür.

Ist ein Mensch nicht geimpft und infiziert sich mit einer Krankheit, so ist er Überträger der Krankheit. Wenn niemand geimpft ist, kann daraus schnell eine Kettenreaktion entstehen: Der Kranke steckt mehrere Menschen an, die wiederum weitere anstecken usw. Bei Masern beispielsweise gehen Forscher davon aus, dass ein infizierter Mensch durchschnittlich 12 bis 18 weitere Menschen ansteckt – vorausgesetzt, niemand ist gegen die Infektion geschützt.

Durch Impfungen im direkten Umfeld des Kranken sinkt diese Zahl entsprechend. Sind also ausreichend viele Menschen geimpft, die Kontakt zu dem Kranken haben, wird die Krankheit nicht mehr weitergegeben – auch nicht an Ungeimpfte. Die Geimpften dienen sozusagen als „schützender Puffer“ für die Menschen ohne Impfung. Damit sich beispielsweise bei Masern eine Herdenimmunität einstellen kann, müssen nach Experten ca. 83-94% der Bevölkerung geimpft sein.

Durch konsequentes, weltweites Impfen konnte beispielsweise gegen Pocken eine so hohe Dichte an Immunität erreicht werden, dass die WHO 1980 die Welt für pockenfrei erklären konnte. Impfungen und Herdenimmunität haben die Krankheit weltweit ausgerottet.

Trotzdem: Selbst impfen zu lassen bleibt nach wie vor extrem wichtig

Man könnte sich jetzt fragen: „Warum sollte ich mich und meine Kinder impfen lassen, wenn sie doch über die Herdenimmunität geschützt sind?“ Diese Frage basiert auf einem gefährlichen Trugschluss. Denn wenn zu viele Menschen beschließen, aufgrund der Herdenimmunität selbst die Impfung ausfallen zu lassen, dann bricht das gesamte System in sich zusammen. Gezeigt hat sich dies erst kürzlich in den USA: Die (gänzlich falschen) Gerüchte, dass Impfungen bei Kindern Autismus auslösen könnten, haben viele verunsicherte Eltern dort dazu verleitet, auf die Impfung ihrer Kinder zu verzichten. Das Ergebnis: 2004 wurden in den USA gerade mal 37 Fälle der Masern erfasst, da die Krankheit durch Impfungen und Herdenimmunität eingedämmt war. Dann trat bei amerikanischen Eltern die Impfmüdigkeit ein. 2014 wurden wieder über 600 Fälle der Masern gemeldet. Das ist das knapp Zwanzigfache, obwohl die Krankheit in den USA dann bereits hätte ausgerottet sein können.

Durch schnelle Maßnahmen konnte eine erneute Ausbreitung der Masern in den USA zwar noch verhindert werden – trotzdem sollte man die Ereignisse als Weckruf sehen, der zeigt: Selbst wenn Herdenimmunität hilft, Krankheiten zu einzugrenzen, bleibt es wichtig, dass jeder, der sich und seine Kinder impfen lassen kann, das auch tut. Und das eben nicht nur aus Eigennützigkeit, sondern auch, um seinen Teil zum Schutz anderer beizutragen.

Neuen Kommentar verfassen

Kommentare

zurück zum Blog