Gefahr Plastikspielzeug? – Die Chemie muss stimmen

Schöne, bunte Bauklötze, Plastik-Autos, Wasserbälle… sehr viel Kinderspielzeug besteht heutzutage aus Plastik. Immer wieder hört man jedoch von gesundheitlichen Bedenken. Was ist dran und worauf sollte man achten?

Plastik ist nicht gleich Plastik

Ob Menschen von Wasserbällen, Spielzeugautos, Barbiepuppen oder Einkaufstüten sprechen – sie reden immer von „Plastik“. Aktuell ist dieses Thema noch viel präsenter als sonst, weil Plastik als Umweltproblem thematisiert wird. Häufig bekommt man im Tenor den Eindruck: Plastik vermüllt die Meere und ist sowieso generell ungesund. Fakt ist jedoch auch: Gerade bei Kinderspielzeug besteht ein sehr großer Teil aus Plastik. Oder um es präziser auszudrücken: Aus Kunststoff.

Denn das Plastik aus dem der eine Gegenstand besteht, ist häufig nicht gleichzusetzen mit dem Plastik des anderen Gegenstands. Es gibt viele unterschiedliche Kunststoffsorten. Und man kann es sich bereits denken: Manche können tatsächlich gesundheitsschädigend sein, andere sind wiederum unbedenklich. Wie entscheidet man also, mit welchem Spielzeug das Kind unbesorgt spielen kann?

Der Unterschied von hartem und weichem Plastik

Es besteht zunächst ein großer Unterschied zwischen hartem und weichem Plastik. Spielzeuge aus Hartplastik bestehen in den meisten Fällen aus einem unbedenklichen Kunststoff. Weiches Plastik ist tendenziell problematisch, weil es mit sogenannten Weichmachern bearbeitet wurde. Diese sorgen dafür, dass ein eigentlich harter Kunststoff weich und elastisch wird. Diese Weichmacher bleiben jedoch nicht „im Spielzeug“, sondern werden nach und nach wieder freigesetzt und finden sich dann in der Umgebung wieder – so wurden sie z.B. im Hausstaub nachgewiesen. Für die meisten Weichmacher sind deshalb seit Jahren gesetzliche Grenzwerte festgelegt, die nicht überschritten werden dürfen.

Problem: freiwillige Material-Angabe

Im Normalfall würde man nun auf die Materialangabe auf dem Spielzeug schauen. Das Plastik sollte z.B. PVC-frei und Phtalat-frei sein. Spielwaren aus Kunststoffen wie Polypropylen (PP), Polyethylen (PE) oder Acetyl-Butyl-Styrol (ABS) gelten hingegen als ungefährlich. Das Problem ist: So eine Material-Angabe der Hersteller ist bisher nicht verpflichtend. Generell gilt daher: Vorsicht bei billigen No-Name-Produkten, vor allem wenn sie aus weichem Plastik sind. Ein offensichtlicher Hinweis ist auch der Geruch des Spielzeugs. Wenn es unangenehm und „künstlich“ riecht, ist das meist ein Hinweis, dass der verwendete Kunststoff nicht gut ist.

Zusätzlich kann man auf einige Hinweise oder Gütesiegel achten. Das „CE Zeichen“ sagt allerdings nur, dass das Produkt die gültige Europanorm einhält. Jedes Spielzeug, das in Europa verkauft wird, muss dieses Siegel tragen. Es lässt aber wenig Rückschlüsse auf die Unbedenklichkeit der Spielware zu. Das „GS-Zeichen“ bedeutet hingegen, dass der Hersteller seine Waren regelmäßig von einem unabhängigen Institut wie z.B. dem TÜV prüfen lässt. Und das Gütesiegel „Spiel gut“ ist ein von der Spielwarenindustrie unabhängiges Siegel, das die Spielzeuge von einem breiten Gremium testen lässt. Auf der Webseite der Institution kann man sich auch Listen mit geprüften und als unbedenklich eingestuften Produkten ansehen.

Holzspielzeug als Alternative?

Jetzt könnte man sich überlegen, direkt vollständig auf Plastik zu verzichten und einfach Holzspielzeug zu bevorzugen. Das ist an sich nicht falsch, jedoch sind auch Holzspielwaren nicht automatisch unbedenklich. Leime, Farben oder Lacke können ebenso gesundheitsgefährdend sein. Auch hier gibt es ein paar Dinge, auf die man achten sollte. Beispielsweise sollte man besser Vollholz- statt Sperrholzprodukte wählen und darauf achten, dass das Holz mit biologischen Ölen oder Bienenwachs behandelt ist. Dann können Holzprodukte eine sehr gute Alternative für Plastikspielzeug sein.

Es gibt jedoch auch bestimmte Spielsituationen, in denen sich Plastikspielzeuge durchaus bewährt haben, wie zum Beispiel im Sandkasten oder generell „Draußen-Spielzeuge“. Sie sind witterungsbeständiger und vor allem regenfest. Festzuhalten ist auf jeden Fall: Nach aktuellem Kenntnisstand ist Plastikspielzeug nicht grundsätzlich schädlich. Seine Unbedenklichkeit hängt von der verwendeten Kunststoffsorte und den Zusatzstoffen ab. Doch ob man nun Holz- oder Plastikspielzeug für sein Kind bevorzugt – wenn man auf die genannten Punkte achtet, kann man eine fundierte Entscheidung treffen.

Neuen Kommentar verfassen

Kommentare

zurück zum Blog