Die Angst vor dem Loslassen

Das eigene Kind vor den Gefahren des Lebens zu schützen ist ein Grundinstinkt junger Eltern. Im Grunde ist das gut und wichtig, doch ein übertriebener Beschützerinstinkt kann dem Nachwuchs mitunter sogar schaden. Wieviel Sorge ist gerechtfertigt und wie geht man mit wachsender Angst um, dass dem eigenen Kind etwas zustoßen kann?

Das Leben beginnt hilflos

Neugeborene sind vollkommen auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen. Sie können sich weder selbst ernähren noch sich warmhalten oder die Position wechseln. Eltern behüten, fördern und schützen ihr Baby daher instinktiv vor jedweder Gefahr, so gut sie es können. Die ersten Fortschritte des Babys zu beobachten ist toll: Der erste Griff nach der Rassel, wenn es sich dreht oder hinzusetzt – die Eltern erfüllt alles Erlernte ihres heranwachsenden Babys mit Stolz.

Typische erste Ängste von Eltern

Beginnt das Baby sich zu drehen, so befürchten viele Eltern, es könnte vom Wickeltisch fallen, was sich aber noch leicht abwenden lässt. Irgendwann beginnt das Baby dann zu krabbeln – der Bewegungsradius wird plötzlich größer, die möglichen Gefahren vielfältiger. Zusätzlich hat man stets den Satz in Ohr, der auf jeder Verpackung zu lesen ist: „Nicht in Reichweite von Kindern aufbewahren“. Wenn Eltern also zur Sicherheit des Kindes seinen Bewegungsradius einschränken, gibt es sinnige und unsinnige Begrenzungen: Eine kleine Treppe mit zwei Stufen kann auch ein Kleinkind sicher handzuhaben lernen, eine Wendeltreppe sollte man jedoch besser bis zu einem gewissen Alter absperren.

Dramatischer noch ist es außerhalb der Wohnung – Gefahren scheinen überall zu lauern. Das Klettergerüst auf dem Spielplatz ist sehr hoch, das Essen auf dem Geburtstag enthält zu viel Salz oder das Spielzeug der Krabbelgruppe nicht pädagogisch wertvoll – die Grenzen sind fließend und was zu viel ist, entscheiden letztendlich die Eltern.

Wann sollte man einschreiten?

Viele Eltern sind sich unsicher und stehen vor dem Zwiespalt: Was ist gut für mein Kind und wo sollte ich es bremsen? Kinder verletzen sich auch mal, was für die Eltern manchmal emotional schlimmer sein kann als für das Kind selbst. Aber kleinere Verletzungen sind sogar wichtig, denn daraus lernen die Kleinen. Zum Laufen Lernen gehört eben das Hinfallen. Das eigene Kind muss seine individuellen Grenzen kennenlernen und das geschieht manchmal auch über das Erreichen dieser Grenzen – sehr zum Leidwesen der Eltern. Für Eltern ist es wichtig, das Kind in seinen Fähigkeiten unvoreingenommen zu betrachten – muss es wirklich beschützt werden, weil es etwas nicht kann oder weil der Elternteil nicht wahrhaben will, dass das Kind zu selbstständig wird?

Den Beschützerinstinkt bewusst leben

Es gibt Auswege aus übertriebenen Beschützerrollen. Man sollte sich immer bewusst sein, dass es nicht nur Hauptaufgabe des Elterndaseins ist, das Kind vor Gefahren zu schützen, sondern auch seine Selbstständigkeit zu fördern. Das Motto heißt: „Schritt für Schritt“. Alle Aktionen des Kindes können unter der eigenen Aufsicht zunächst geübt werden. Sei es das Gehen, das Treppensteigen oder die Bewältigung eines Weges. Es spricht nichts dagegen, das Kind Schritt für Schritt für auf Anforderungen des Lebens vorzubereiten. Gemeinsam Üben dient nicht nur dem Kind dazu Fähigkeiten zu lernen, sondern auch den Eltern schrittweise loszulassen. Die Kunst besteht darin, seine Aufmerksamkeit nicht auf die Dinge zu richten, die schiefgehen könnten, sondern auf die Dinge, die tatsächlich gutgehen. Optimismus ist einer der wichtigsten Gegenspieler von Angst und Eltern eines jeden Kindes haben allen Grund, optimistisch zu sein.

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