Der Umgang mit dem Tod eines Kindes

Ein schweres Thema, das aber kein Tabu sein sollte. Denn der Umgang mit dem Verlust eines Kindes ist uns heute – dank Forschung und medizinischem Fortschritt – relativ fremd im Vergleich zu vergangenen Jahrhunderten. So stellen sich zwei Fragen: Wie geht man mit dem Tod eines Kindes um – als Angehöriger, aber auch als Außenstehender?

Das Kind selbst

Es geht immer um das Kind, das sterbenskrank ist oder plötzlich stirbt. Kinder, die tödlich erkrankt sind, wissen dies und brauchen offene Gespräche. Sie merken, wenn Erwachsene anders mit ihnen umgehen und sie schützen wollen. Allerdings fehlt ihnen dann der nötige Ansprechpartner und sie verinnerlichen, dass sie besser nicht über ihren Zustand sprechen sollten. Dann vertrauen sie sich unbeteiligten Personen an, von denen sie dann hoffen Antworten zu bekommen. So schwer es auch fällt, es ist wichtig, mit dem Kind offen, aber auf eine altersgerechte Art und Weise zu sprechen.

Der Umgang mit der Trauer

Der Beginn der Trauer und die schwerste Zeit beginnen meist nach der Beerdigung. So hart einen der Tod auch trifft, die Planung und die Details rund um die Beerdigung beschäftigen die Angehörigen so stark, dass nicht viel Zeit bleibt, um zu trauern. Während dann nach der Beerdigung für die Außenstehenden das Leben zur Normalität zurückkehrt, beginnt für die Eltern und Geschwister ein verwirrender, neuer Alltag und die Leere im Haus wird sehr deutlich und belastend.

Trauer kann so stark sein, dass in der ersten Zeit sowohl vollkommene Benommenheit eintreten kann, als auch physischer Schmerz. Man darf dann nicht vergessen, dass obwohl man benommen ist und Schmerzen spürt, der Körper immer noch Grundbedürfnisse hat und diese wahrgenommen werden müssen. Das heißt, man muss essen, auch wenn der Appetit verloren ist, versuchen zu schlafen, auch wenn der Schlaf nicht kommen will und in Bewegung bleiben, auch wenn einem nicht danach ist.

Jeder Mensch trauert anders. Das gilt es gerade innerhalb von Familien zu verstehen und zu akzeptieren. Eltern, die durch diesen Verlust gegangen sind, berichten außerdem, dass die Trauer intensiver und länger andauert als bei anderen Verlusten. In der Regel weinen Frauen mehr und wollen reden, während sich Männer in die Tat schmeißen, entweder den Job oder Organisationen, die mit der Krankheit des Kindes verbunden sind.

Trauerbewältigung und die Ehe

Besonders wichtig ist, sich gegenseitig zu verstehen und zu respektieren, dass man anders trauert. Sodass man sich nicht gegenseitig vorwirft „nicht“ oder „falsch“ zu trauern.  Der Mythos, Ehen würden regelmäßig an der Trauer um den Verlust des eigenen Kindes in die Brüche gehen, stimmt jedoch nicht – zumindest nicht so ganz. Gerade Eltern, die sich bewusst vor Augen führen, dass jeder anders trauert, dem Partner Freiraum geben und zugleich ihre Bedürfnisse und Gedanken kommunizieren, finden schneller wieder zueinander und die Ehe kann den traumatischen Verlust besser überstehen.

Auch sollte man nicht erwarten, dass der Partner Gedanken lesen kann und auf die eigenen Bedürfnisse wie durch Magie eingeht. Es ist auch sehr lohnenswert, ganz bewusst etwas Schönes für den Partner zu tun, um so nicht nur die Trauer zu verarbeiten, sondern auch zueinander zu finden. Am wichtigsten sind dabei aber immer ehrliche Kommunikation, gegenseitiges Verständnis und manchmal auch einfach nur da sein.

Geschwisterkinder und der Spagat der Elternrolle

Die schwierigste, aber auch wichtigste Aufgabe als Elternteil ist es, das Bild des verstorbenen Kindes nicht auf die noch lebenden Kinder zu projizieren. Oder, wie es Dr. Dennis Klass nennt, eine „innere Repräsentation“ bzw. ein „inneres Bild“ mit sich zu tragen. Oft lebt dann so das verstorbene Kind in den Gedanken der Eltern (aber auch anderer Hinterbliebener) weiter und wächst dort zu einem „Idealkind“ heran, an dessen Standard kein Geschwisterkind heranreichen kann. Deshalb sollten Eltern genau auf ihre Kinder eingehen, ohne das verstorbene Kind immer vor Augen zu haben, auch wenn die Elternrolle verständlicherweise noch schwieriger wird – denn Eltern müssen in genau der Rolle weiter machen, die ihnen zugleich genommen wurde.

Zudem sind Eltern kontinuierlich gezwungen, einen Rollenwechsel durchgehen. Denn sie brauchen selbst emotionale Unterstützung, aber müssen zusätzlich wiederum ihre überlebenden Kinder emotional unterstützen – Und so zur gleichen Zeit trauern und Trauerbewältigung leisten. Es ist daher sinnvoll, wenn Menschen aus dem Umfeld eingebunden werden. Ob Großeltern, Tanten und Onkel oder Freunde, die den Kindern dann zusätzlich emotionale Unterstützung bieten können, wenn sich die Eltern dazu nicht in der Lage fühlen. Die Eltern sind zwar immer der primäre Bezugspunkt eines jeden Kindes, sind aber selbst in traumatischen Situationen nicht die einzige emotionale Unterstützung, die einem Kind weiterhelfen kann.

Den Vater nicht vergessen

Egal ob es um Fehlgeburten, Stillgeburten oder den Tod eines Kindes geht: Meistens ist die Mutter im Mittelpunkt der Sorge. Jeder will wissen, wie es der Mutter geht und wie der Mutter geholfen werden kann. Dies ist selbstverständlich wichtig und schön, aber leider bleiben die Väter dabei oft auf der Strecke. Gerade als Außenstehender sollte man das im Blick behalten und auch fragen, wie es dem Vater geht und was man für ihn tun kann.

Freude während der Trauer

Gerade nach dem Verlust eines Kindes ist es schwierig Freude zu akzeptieren, oder gar anzuerkennen, dass diese überhaupt existiert. Freude und Glück sind jedoch Teil unserer grundlegenden Überlebenswerkzeuge und können inmitten unserer Trauer auftauchen. Es ist in Ordnung zu weinen und zu lachen, beides zu empfinden, denn wir Menschen brauchen es.

Eltern sollten dann auch kein schlechtes Gewissen haben, wie es so viele zurückgebliebene empfinden. Denn unser Lachen verfälscht und betrügt nicht die Erinnerung an das Kind und Momente der Freude ersetzen auch nicht die Trauer. Der einzige Weg, um Trauer zu überleben, ist ab und an zurück zu treten und die Gedanken wandern zu lassen.

Wie können Außenstehende den trauernden Eltern zur Seite stehen?

Im Laufe der Zeit haben wir als Gesellschaft verlernt, mit dem Verlust eines Kindes umzugehen, denn Kinder sterben heutzutage seltener als in vergangenen Jahrhunderten. Wir wissen nicht, was wir tun sollen und dann entsteht Distanz und kann gar den Verlust von Freundschaften und Bekanntschaften bedeuten.

Wie kann man in einer solchen Situation den Eltern zur Seite stehen? Im Prinzip treten die gleichen Regeln wie bei der Ehe ein: Kommunikation, Verständnis und einfach nur da sein. Keine Angst oder Scheu haben vorbeizufahren und anzuklingeln, anzurufen, zu helfen, vielleicht mal im Haushalt mit anzupacken, etwas Gekochtes vorbeibringen oder vor Ort kochen, zu quatschen oder einfach in Ruhe neben einander zu sitzen und die Stille und gegenseitige Nähe zu genießen. Für Geschwisterkinder da sein, diesen zur Seite stehen, bespaßen, einen Ausflug machen. Wenn die Trauernden wissen, dass man da ist und hilft, wenn sie Hilfe brauchen, stellt dies eine unheimliche Entlastung dar. Dabei muss man die eigene Angst bei Seite legen und über seinen Schatten springen, um mit so einem Thema im Alltag umzugehen.

Neuen Kommentar verfassen

Kommentare

zurück zum Blog