Darf kein Tabuthema sein: Fehlgeburt

In unserem Blog sprechen wir diesmal etwas an, über das leider selten offen gesprochen wird: Die durchaus reale Möglichkeit von Fehlgeburten und ihre emotionale Verarbeitung.

Warum dieses Thema?

Normalerweise widmen wir Dingen wie Tipps für Eltern von Kindern mit und ohne Handicap, sowohl was die (Intensiv-)Pflege angeht als auch praktische Alltagstipps rund um Erziehung und Gesundheit. Diesmal wagen wir uns an eines der wohl unschönsten Themen, das aber mehr junge Eltern betrifft als viele denken. Denn über das traurige Thema Fehlgeburt wird leider nach wie vor viel zu selten offen gesprochen. Dabei sollte gerade etwas, das so viele Menschen emotional so stark belasten kann, kein Tabuthema sein.

Häufiger als viele denken

Gerade weil so selten offen darüber gesprochen wird, haben viele Mütter, die eine Fehlgeburt erleiden das Gefühl, dass sie damit allein sind. Das ist aber absolut nicht der Fall: Schwangerschaften sind ab der fünften Schwangerschaftswoche erkennbar. Von diesen enden schätzungsweise 10 bis 15% frühzeitig in einem sogenannten Abort. „Früher Abort“ ist der Fachbegriff für eine Fehlgeburt bis zur zwölften Schwangerschaftswoche. Allein daran, dass es diesen Fachbegriff gibt, kann man also erkennen wie normal Fehlgeburten medizinisch gesehen sind. Doch so normal es objektiv ist, so schwer ist es trotzdem für viele der betroffenen Eltern zu akzeptieren.

Zunächst oft ungläubig

Die häufigste Reaktion von Müttern und Vätern, wenn die Diagnose kommt, ist zunächst häufig erstmal Unglaube. Die Emotionen folgen später. Und dann häufig die Schuldfrage: „Warum ist das ausgerechnet uns passiert, woran lag es?“. Die ersten Antworten, die dann durch den Kopf gehen sind häufig ähnlich. Denn leider suchen viele schwangere Frauen die Schuld zunächst bei sich selbst. Vielleicht auch, weil sie selbst am direktesten betroffen sind – nicht zuletzt auch wegen des folgenden Prozederes im Krankenhaus, das sie direkt betrifft. Fast immer liegen sie damit falsch: Ein Fehlverhalten der Mutter ist in den allerwenigsten Fällen der Grund. Viel häufiger liegt es an einer Chromosomenveränderung der befruchteten Eizelle. Das ist etwas ganz Natürliches, sorgt aber dafür, dass diese nicht überlebensfähig ist. Schuld daran tragen aber weder Vater noch Mutter, wenngleich es ihnen oft trotzdem schwerfällt, die Selbstvorwürfe aus dem Weg zu räumen.

Trauer ist unterschiedlich

Trauer ist etwas ganz Persönliches. Entsprechend gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, wie man mit ihr umgehen sollte. Die Trauerphase kann teilweise Monate dauern, manchmal auch mehr als ein Jahr. Auch zwischen Mann und Frau gibt es Unterschiede: Frauen möchten die Gedanken und Gefühle, die gerade in den ersten Wochen oft hochkommen, meist eher mit dem Partner bereden und sich gegenseitig direkt trösten. Männer hingegen neigen zur Emotionsbewältigung häufig zu mehr Tatendrang und stürzen sich in Arbeit und Projekte. Das sind natürlich nur Tendenzen: Wirklich feste Klischees, die immer stimmen, gibt es bei den Geschlechtern nicht. Trotzdem kann man aus diesen Tendenzen lernen, dass Kommunikation wichtig ist: In jedem Fall sollte offen darüber gesprochen werden, was einem selbst für die Verarbeitung der Situation guttut. Denn geteiltes Leid ist bekanntermaßen halbes Leid. Und so lässt sich selbst etwas Trauriges gut überstehen und optimistisch in die Zukunft blicken.

Neuen Kommentar verfassen

Kommentare

zurück zum Blog